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Blogging – eine neue Form des Wissensaustauschs PDF Print
Dr. Nikolaus Krasser, Pentos AG
Wenn von Web 2.0 die Rede ist, denken viele an Weblogs, den Log- bzw. Tagebüchern im Internet. Dass diese Kommunikationsform auch ein effektives Instrument des Wissensaustauschs in Unternehmen ist, zeigt das folgende Beispiel der Pentos AG. Seit fünf Jahren tauschen dort die Projektmitarbeiter ihre Informationen mit Hilfe von so genannten Newsletter-Blogs aus.
Die Pentos AG, ein mittelständisches IT-Beratungsunternehmen, stand 2001 vor dem Problem, dass projektbezogene Tätigkeiten, die überwiegend bei verschiedenen Kunden vor Ort durchgeführt wurden, immer häufiger wurden. Die Koordination der Projekte und des Unternehmens erfolgte primär über E-Mail und Telefon. Diese beiden Formen der Kommunikation stellten sich jedoch als nicht ausreichend heraus. Ein Großteil des Wissens lag zudem bei einzelnen Mitarbeitern - ein einheitlicher Wissensstand war so nicht zu realisieren, Synergien wurden häufig nicht erkannt und genutzt. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurden wöchentliche Face-to-Face-Meetings angesetzt. Aufgrund terminlicher Abstimmungsschwierigkeiten und größerer örtlicher Distanz war diese Lösung auf Dauer allerdings nicht praktikabel. Da Pentos sehr viel Wert auf die kontinuierliche Weiterentwicklung und Optimierung der internen Prozesse legt, suchte das Unternehmen einen Weg, die neuen Technologien für den eigenen Bedarf zu nutzen. Eine Pilotgruppe aus drei Mitarbeitern konzipierte einen Newsletter, eine Art des internen Bloggings, und setzte ihn konsequent ein. Schon nach kurzer Zeit wurde das Instrument auf weitere Mitarbeiter ausgedehnt und Anfang 2004 als fester Bestandteil in die Zielvorgaben jedes Mitarbeiters integriert.
Der typische Blog-Eintrag
In den Newslettern erläutert der Blogger kurz seine Tätigkeiten in verschiedenen Projekten. Wichtig ist, dass dabei ein Bezug zum jeweiligen Projekt- oder Unternehmenserfolg hergestellt wird. So ist jeder Mitarbeiter angehalten, regelmäßig kritisch darüber nachzudenken, was er tut, warum er es tut und wie es mit anderen Prozessen und Zielen im Unternehmen zusammenhängt. Neben "Hard Facts" können die Mitarbeiter private Ereignisse, interessante Neuigkeiten und Unterhaltsames in den Blogs verarbeiten. Dies trägt zu einem gesteigerten Wir-Gefühl bei. Eine wichtige Zusatzfunktion ist die Möglichkeit, Kommentare abzugeben. Erfolge werden so gemeinsam gefeiert, bei Schwierigkeiten können Kollegen hilfreiche Anregungen geben. Die Abbildung 1 zeigt beispielhaft einen Blogeintrag. Die Erfahrung zeigte, dass die Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit in der Lage sind, sich mit einem Aufwand von 15 Minuten pro Woche aktiv zu beteiligen.
Abbildung 1: Der Wochenbericht bietet ausreichend Platz für Geschäftliches und Privates. (Quelle: Pentos-AG)
Geschäftsführung blogt mit
Um die hohe Qualität der Newsletter zu gewährleisten, werden neue Mitarbeiter von ihrem Vorgesetzten beim Schreiben ihrer ersten Berichte unterstützt. Auch die Marketing- und Presseverantwortlichen stehen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Diese Hilfestellung ist in den Jahreszielen festgehalten und sorgt dafür, dass die Unterstützung aktiv angeboten wird. Insbesondere dann, wenn Mitarbeiter mit dem Schreiben ihres Blogs in Verzug kommen, werden sie aufgefordert und ermuntert. Die Mithilfe kann so weit gehen, dass der Mitarbeiter seine Tätigkeiten mündlich per Telefon schildert, und die Kollegin eine kurze Zusammenfassung für ihn erstellt.
Eine besondere Motivationsfunktion übernimmt der Auswertungsmechanismus. Die einzelnen Lesevorgänge werden jeden Abend in einem Statistikdokument anonymisiert zusammengefasst und dem Bericht zugeordnet. So wird präzise festgehalten, wie groß das Interesse an den einzelnen Berichten ist. Auch die Gesamtzugriffe seit Jahresbeginn werden abgebildet. Erfahrungsgemäß lesen die Mitarbeiter zwischen 10 und 15 Wochenberichte und benötigen dafür etwa 30 Minuten pro Woche, was den Blogs eine hohe Bedeutung beimisst.
Selbstverständlich "blogt" auch der Vorstand. Die Newsletter der Geschäftsführung spielen dabei eine besondere Rolle: Die Mitarbeiter sehen die Blogs des Managementteams als Maßstab für ihre eigenen Berichte. Auch ein regelmäßiges Feedback zu den Blogs der Angestellten verstärkt diese Form der internen Kommunikation positiv.
Reibungslose Technik
Die Ausgangsbasis für die technische Implementierung bildet das Groupware-System IBM Lotus Notes/Domino. Auf dieser Plattform setzt eine Wissensdatenbank auf, genannt "Team Space", die in Form und Funktion den Standard-Schablonen "Teamroom" und "Diskussionsforum" ähnelt. Sie kann lokal, ohne Netzzugang oder im Netzwerk entweder über den Notes-Client oder über einen Web-Browser genutzt werden.
In diese Wissensdatenbank sind die Newsletter der Mitarbeiter integriert. Diese sind modular umgesetzt, das heißt sie können als eigenständige Anwendung genutzt werden. Der Status Quo sämtlicher Einträge des aktuellen Berichtszeitraums ist für die Mitarbeiter auf einen Blick ersichtlich. Aktualisierte Newsletter erscheinen per definierten Standard automatisch als ungelesen. Am Änderungsdatum wird deutlich, wann der Beitrag zuletzt bearbeitet wurde. Am Jahresende werden die Beiträge des vergangenen Jahres zusammen mit allen Kommentaren in einer Archivablage gespeichert, die für die Mitarbeiter weiterhin zugänglich ist.
Abbildung 2: Von A bis Z klar und einfach aufgebaut (Quelle: Pentos-AG)
Vielfältige Motivation
Die Newsletter werden von allen Mitarbeitern, dem technischen Marketing, der Personalentwicklung, dem Bildungsbeauftragten, dem Projektmanagement und der Geschäftsführung mit unterschiedlichem Fokus gelesen. Jeder dieser Akteure hat eine unterschiedliche Motivation und einen individuellen Zugang. Für jeden liefern die Blogs aber wichtige Informationen, die die tägliche Arbeit erleichtern und die Erreichung gemeinsamer Ziele vorantreibt. Die Chancen des Blogging liegen in folgenden Vorteilen:
  • Verstärkter Teamgeist: Erfolge verbreiten sich rasend schnell über Blogs. Sie werden gemeinsam gefeiert, man kann die Freude beim Kollegen nachlesen und sich anstecken lassen. Aber auch persönliche Mitteilungen zwischen den Mitarbeitern werden im Wochenbericht ausgetauscht. Dazu gehören etwa familiäre Ereignisse, Tipps oder sportliche Leistungen.
  • Klares Stimmungsbild: Das Stimmungsbild der einzelnen Mitarbeiter wird sehr gut in den jeweiligen Blogs abgebildet. Es ist dann die Aufgabe der Führungskraft und der Personalentwicklung, darauf einzugehen und gegebenenfalls zu reagieren.
  • Bildungsbedarf durch genaue Stärken-/Schwächen-Profile: Zwischen den Zeilen, häufig explizit, werden die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter erkennbar. Dies ist ein hervorragender Ansatz für Bildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen.
  • Höhere Arbeitsqualität: Die Mitarbeiter nutzen Blogs, um ihre Leistungen im Zusammenhang mit dem Unternehmen bewusst zu reflektieren. Das erhöht die Qualität der Arbeit und das Verständnis für Zusammenhänge - bei sich und den Kollegen.
  • Effektiveres Controlling: Blogs erlauben einen Blick hinter aktuelle Projektzahlen und Meilensteinplanungen. Laufen die Projekte wirklich so gut, wie es der offizielle Projektbericht nahe legt? Die Blogs der Mitarbeiter bieten oft wertvolle Zusatzinformationen, über Hierarchiegrenzen hinweg und ungefiltert.
  • Exakte Kapazitätsplanung: Ist ein Mitarbeiter wirklich ausgelastet oder überlastet? Oft hilft ein Blick ins Blog, um diese Frage entscheiden zu können.
  • Selbstorganisation in den Projekten: Die Koordinationsfunktion der Blogs führt dazu, dass Mitarbeiter alle Arbeitsprozesse von der Projektakquise bis zum -abschluss gezielter aufeinander abstimmen. Die Anzahl doppelter Erfindungen reduziert sich, die Suche nach Experten wird stark vereinfacht.
  • Innovationen: Nicht immer ist den Mitarbeitern klar, wie ihre Arbeitsergebnisse weiter genutzt werden können. Positives Feedback von Kollegen oder Vorgesetzen ist ein großer Innovationstreiber und führt durchaus zu Produktneuentwicklungen.
  • Querschnittsfunktion am Beispiel Marketing/Vertrieb: Gibt es besondere Erfolge in Projekten, die sich weiter nutzen lassen, etwa als Referenzprojekte? Oder könnte man sich mit einer besonders gelungenen Lösung um einen Award bewerben? Blogs geben auch dazu Hinweise, weil sie bereichsübergreifend gelesen und ausgewertet werden.
Mit der Tradition brechen
Blogs durchbrechen traditionelle Informationshierarchien. Sie sind technisch einfach einzusetzen, aber organisatorisch potenziell umwälzend. Die Kommunikation wird vereinfacht und beschleunigt, Innovationen vorangetrieben. Durch böswillige oder durch Unkenntnis fehlerhafte Blogs können Missverständnisse entstehen, die auch zu Unruhe in der Belegschaft führen und oftmals nur über intensive Kommunikation durch die Führungskräfte behoben werden können. Alle Beteiligten müssen lernen, damit umzugehen, soll das Instrument auf Dauer erfolgreich genutzt werden. Gehen die Führungskräfte nicht mit gutem Beispiel voran, wird die Qualität der Blogs nur schwer aufrecht zu erhalten sein.
Schließlich muss der zeitliche Aufwand begrenzt bleiben. Die Mitarbeiter könnten zu viel Zeit damit verbringen, die eigenen Blogs zu erstellen und die ihrer Kollegen zu lesen, so dass ihre eigentliche Arbeit darunter leidet.
Die Einführung von Blogs bei der Pentos AG im Jahr 2001 hat die Effizienz im Unternehmen signifikant erhöht, die Transparenz ist gestiegen und der Teamgeist deutlich gewachsen. Im Laufe der Jahre haben sie sich zu einem unverzichtbaren Instrument der Unternehmenskommunikation entwickelt.
Aufgrund der Vorteile der Blogs, ihres einfachen Aufbaus, der intuitiven Handhabung und der kostengünstig verfügbaren Technologie ist zu erwarten, dass die Unternehmen zunehmend Blogs als Standard-Kommunikationsinstrument im Unternehmen einsetzen, um ihre Wettbewerbsvorteile zu schützen und weiter auszubauen.
Die Erfolgsfaktoren bei der Einführung des Newsletter-Blogs

  • Die Vorbildfunktion des Managements: Schreibt das Management sehr gute, informative Newsletter, spiegelt sich dies auch bei den Mitarbeitern wider.
  • Klare Vorgaben zu Aufbau/Inhalt: Mitarbeiter orientieren sich an ihren Vorgesetzten. Darüber hinaus erleichtern definierte Standards zum Inhalt, Aufbau und Umfang der Newsletter die Arbeit. Themen sollten sowohl die Arbeit, aber auch Interessantes und Kurzweiliges aus dem privaten Bereich sein.
  • Individuelle Zielvereinbarungen: Das Schreiben des Newsletters sollte in den persönlichen Zielen des Mitarbeiters verankert sein.
  • Ein vorhandenes Tutorensystem bzw. Hilfestellung: Bei Bedarf sollten die Mitarbeiter Unterstützung beim Verfassen der Blogs erhalten.
  • Positive Reaktion auf Inhalte: Wird Bildungsbedarf signalisiert, sollte dies tatsächlich auch geprüft werden. Leidet ein Mitarbeiter generell unter Unterforderung, sollten anspruchsvollere Aufgaben gefunden werden.
Abbildung 3: Erfolgsfaktoren bei der Einführung eines Blog-Systems zum Wissensmanagement